Kleine Geschichte des Turnierstandorts Paderborn

Reitsport und Paderborn - das ist keineswegs ein neuer Gesprächsstoff. Die Stadt in Ostwestfalen war schon häufig Standort viel beachteter Turniere und ein Zufall ist das nicht, denn was die Leidenschaft für Pferde und Sport anbelangt, ist Paderborn und die Umgebung das, was man mit Fug und Recht eine starke Region nennt.

 

Erste Hinweise darauf ergaben sich schon 1869, da vermerkt der Chronist reitsportliche Veranstaltungen in der Stadt. Dabei standen zunächst noch rennsportliche Disziplinen im Mittelpunkt. Zum Vergleich: zu diesem Zeitpunkt war die theologische Fakultät Paderborn genau 255 Jahre alt. Im Jahr 1912 - also gut 43 Jahre später - ist das Rennen in der Stadtheide das erste Turnier, das sich nicht nur Renndisziplinen widmet, sondern bei dem auch einige Springkonkurrenzen stattfinden. Immerhin dient die deutsche Pferdezucht im Wesentlichen der Berittmachung des Militärs, die vielseitige Verwendbarkeit der Reitpferde spielt eine bedeutende Rolle. Auf dem großen Reitplatz der ehemaligen Abdinghofkaserne findet 1926 ein Reitturnier statt, welches zwei Jahre später auf den Exerzierplatz in der Stadtheide wechselt. Noch zwei Jahre später öffnet das Reiterregiment 15 das Kasernenareal an der Moltkestraße für reitsportliche Veranstaltungen. Der Zuspruch muss enorm gewesen sein, denn schon 1931 finden Teile des Turniers auch im Gelände der Neuhäuser Reiterkaserne statt.

 

Nach dem 2. Weltkrieg gelingt es 1949, in Paderborn an die reitsportlichen Traditionen anzuknüpfen, am 25. und 26. Mai findet wieder ein Reit- und Fahrturnier auf dem Paderborner Schützenplatz statt und trotz Regens kommen mehr als 10.000 Besucher zu diesem Ereignis. Die Begeisterung ist groß, die Freude riesig und 1950 lobt einer der besten deutschen Springreiter, Hans-Heinz Brinkmann, Paderborn als eines der bestorganisierten Turniere in Deutschland. So etwas motiviert und in Paderborn wird fleißig weitergewerkelt an schönen, großen Turnieren, die alljährlich immer mehr Zuschauer locken und immer mehr Reiter und Pferde. Als ein Rekordjahr geht 1962 in die Geschichte der Paderborner Turniere ein: 422 Pferde starten beim 13. Turnier nach Ende des 2. Weltkrieges, über 1200 Nennungen wurden von den Reitsportbegeisterten abgegeben und 1966 kann man voller Stolz vermelden, dass das Reitturnier Paderborn zu den 10 größten Turnieren in der Bundesrepublik Deutschland zählt.

 

1973 trifft sich buchstäblich die Creme de la Creme des deutschen Reitsports auf dem Paderborner Schützenplatz zum Wettbewerb: Hans Günther Winkler, Sönke Sönksen, Fritz Ligges oder auch Lutz Merkel und sie alle schauen zu, als in der Mannschaftsprüfung Paderborns "Wilde Hilde" mit einem fehlerfreien Husarenritt den Sieg für den Paderborner Reitverein sichert. Die Wilde Hilde übrigens hieß richtig Hildegard Tölle. Fünf Jahre später findet das vorerst letzte große Reitturnier auf Paderborns Schützenplatz statt.

 

Im Jahr 2003, also ganz genau 30 Jahre später knüpft die Stadt wieder an die große Reitsporttradition an. Die Challenge auf dem Paderborner Schützenplatz lockt auf Anhieb etliche Top-Reiter, nur ein Jahr später präsentiert sich einer der schönsten deutschen Turnierplätze deutlich vergrößert. Die Stadt Paderborn dokumentiert damit die Bedeutung, die sie der Reitsportveranstaltung und der Strahlkraft für die Region beimisst. Seit 2006 ist das Turnier in Paderborn als Etappe des RIDERS TOUR eines der wichtigsten Ereignisse im deutschen Springsport.

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